Deutscher Werberat liefert eine Antwort!

Diskriminierende Werbung:

Einen halben Monat lang musste ich auf eine Antwort des Deutschen Werberats warten. Nun ist es endlich soweit.
Stein des Anstoßes war die folgende, vom Werberat teilweise gerügte Kampagne des Möbelhauses “Die Wäscherei”:

Plakat 1:

Plakat 2:

 

Während der Werberat das Plakat mit der nackten Frau als “Ausbeutung von Nacktheit” öffentlich rügte (» Zur Pressemitteilung), ließ er das Plakat mit dem Mann völlig unbeachtet.

Hierzu stellte ich am 31.03.2012 eine (zugegeben etwas freche) Anfrage per E-Mail:

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Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Alexander Goldberg und ich schreibe gerade an meiner juristischen Doktorarbeit zum Thema “Anstößige Werbung”. Nun ist mir Ihre Pressemitteilung hinsichtlich der Rüge des Hamburger Möbelhauses “Die Wäscherei” aufgefallen. Es ging dabei um die Werbekampagne mit der nackten Frau und dem Schriftzug “Alles muss raus!”. (Anlage) 

Was mich nur etwas wundert ist, dass das analog benutzte Plakat mit dem nackten Mann (der sogar sein Genital in den Händen hält, s. Anlage) keinerlei Erwähnung in Ihrer PM bzw. Rüge fand. Um die Praxis des Werberats besser zu verstehen, würde ich mich freuen, wenn Sie mir erklären könnten, warum dies so ist und ob nur Frauen in den Augen des Rates zum Objekt herabgewürdigt werden können.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Goldberg

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Hierauf antwortete die Geschäftsführerin des Werberats heute Mittag:

—–

Sehr geehrter Herr Goldberg,

wir nehmen Bezug auf Ihre Anfrage vom 31.3.2012.

Selbstverständlich befasst sich der Deutsche Werberat auch mit männerdiskriminierenden Werbeaussagen. Grundlage für seine Beurteilungen in diesem Bereich sind die “Grundsätze des Deutschen Werberats zum Thema Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen” (unter werberat.de abrufbar). 

Dass in dem von Ihnen angesprochenen Fall keine Rüge wegen des “Männer-Motivs” erging, liegt an der Tatsache, dass hierzu keine Beschwerde beim Werberat eingegangen ist. Zwar kann der Werberat gemäß Artikel 1 Abs. 2 seiner Verfahrensordnung auch von sich aus ein Verfahren einleiten; dies stellt jedoch den Ausnahmefall dar und war vorliegend nicht geboten.

Weitere Informationen über den Verfahrensablauf sowie zur Spruchpraxis der selbstdisziplinären Einrichtung der Werbewirtschaft können Sie ebenfalls unserer Internetseite entnehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Busse

—–

Für die Antwort möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei Frau Busse bedanken! ABER: So korrekt die Antwort auch sein mag – der Teufel steckt im Detail. Die Verfahrensordnung des WR stellt nämlich keinesfalls klar, dass der WR ein Verfahren nur im Ausnahmefall einleiten soll:

Art. 1:

(1) Jedermann ist berechtigt, dem Deutschen Werberat Beschwerden über Werbemaßnahmen vorzulegen.

(2) Der Deutsche Werberat kann auch von sich aus ein Verfahren einleiten.

Warum eine Verfahrenseinleitung vorliegend nicht geboten war, erschließt sich mE ebenfalls nicht. Schon auf den ersten Blick ist das Plakat mit dem Mann optisch anstößiger als das Frauenplakat: Während bei der Frau ein Schild ihren Genitalbereich verdeckt, hält der Mann sein Genital in den Händen.

Im Zuge meiner Recherchen fällt mir immer wieder auf, dass fast ausschließlich frauenverachtende, -herabwürdigende, -sexistische und -diskriminierende Werbung von Selbstregulierung und Rechtsprechung beanstandet wird, obwohl auch Männer geschlechterstereotypen Bildern, der Reduzierung auf einen muskulösen Körper und der Dominanz von Frauen in der Werbung unterworfen sind. Nur scheint dies niemanden zu stören. Frei nach dem Motto “nullo actore, nullus iudex”.

Bis dahin erstmal – Das Thema wird in den nächsten Tagen noch einmal vertieft.

Berlin, 17. April 2012
Alexander Goldberg 

 
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  1. […] des Deutschen Werberats, Frau Julia Busse, möchte ich den Beitrag vom 17. April. 2012 (» Zum Beitrag) ergänzen. Wie Frau Busse mir versicherte, war die Anzeige des Hamburger Möbelhauses mit dem […]

     

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