Update: Telefonat mit dem Werberat

Nach einem freundlichen Telefonat mit der Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, Frau Julia Busse, möchte ich den Beitrag vom 17. April. 2012 (» Zum Beitrag) ergänzen. Wie Frau Busse mir versicherte, war die Anzeige des Hamburger Möbelhauses mit dem nackten Mann dem Werberat schlicht nicht bekannt. Von deren Existenz erfuhr der Rat erst durch meine E-Mail. Nach gängiger Praxis wäre aber auch diese Anzeige durch den Rat gerügt worden. Da das Möbelhaus beide Anzeigen zurückgezogen hat, hat sich der Fall nun erledigt. Frau Busse betonte, dass natürlich auch männerdiskriminierende Werbung vom Rat missbilligt und gerügt wird.

Auch ich möchte klarstellen, dass bei meiner Kritik nicht die Arbeit des Werberats im Vordergrund steht, sondern das grundsätzliche gesellschaftliche Problem, dass die Kritik an genderstereotyper Werbung fast ausschließlich Frauenbilder betrifft. An der Objektifizierung und Stereotypisierung männlicher Personen in der kommerziellen Kommunikation scheint sich kaum jemand zu stören. Hierauf werde ich aber in den nächsten Tagen und Wochen näher eingehen.

Alexander Goldberg
19. April 2012

 

Ein Neger aus Afrika…

(c) Stadtmuseum Düsseldorf, 1936 (Künstler unbekannt)

Diskriminierende Werbung? Das Düsseldorfer Stadtmuseum stellt derzeit Zeichnungen jüdischer Kinder aus der Nazizeit aus. Eine dieser Zeichnungen stellt einen schwarzen Mann dar mit der Unterschrift “Ein Neger aus Afrika steht hier breitbeinig da”. Im Grunde ist hieran nichts Verwerfliches zu erkennen. Auch das Wort “Neger” erhielt erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine rassistisch-wertende Komponente (vgl. Kramer, S. 11 ff. » Volltext-PDF). In vielen osteuropäischen Ländern ist die Bezeichnung “Neger” noch immer eine völlig wertungsfreie Bezeichnung für schwarze Menschen. Weiterlesen